Sonnenuntergang in Finnland

Sonnenuntergang in Finnland

Dienstag, 15. September 2015

Zurück aus dem Magdalénien



Die Zeit ist wie im Flug vergangen.

Die letzten vier Wochen war ich auf Grabung und auch wenn ich zwischendurch absolut keine Lust mehr auf manche Leute hatte, so ist die Zeit doch wirklich erstaunlich schnell rum gewesen. Wie auch letztes Jahr schon, hat es mir sehr viel Spaß gemacht. Archäologie ist einfach genau mein Ding.
Gegraben wurde in Bad Kösen, einem kleinen Ort in Sachsen-Anhalt. Vor rund 15.000 Jahren, im Zeitabschnitt des Magdalénien, jagten unsere Vorfahren dort Wildpferde und Rentiere. Die Überreste von den Tieren haben wir jetzt ausgegraben. Die Grabung läuft schon seit 2008 und auch wenn das Feld auf den ersten Blick nicht so groß erscheint, so gibt es doch so viele Funde, die eingemessen und dokumentiert werden müssen.


Blick von der Rudelsburg auf das Feld mit dem Grabungszelt.
Zwischendurch müssen natürlich auch immer wieder Fotos von der Grabungsfläche gemacht werden, ebenso werden die einzelnen Quadrate auch noch gezeichnet.
Gearbeitet wurde in der Woche dann von 8 Uhr morgens bis 5 Uhr am Nachmittag. Von 12-13 Uhr gab es Mittagspause.

Die Wochenenden waren immer zur freien Verfügung, unser Dozent hat aber auch immer angeboten, mit uns irgendwohin zu fahren. 
Am ersten Wochenende ging es dann nach Weimar, in die Heimatstadt Goethes. Nach der Besichtigung des Museums für Ur- und Frühgeschichte Thüringens, sind wir noch durch den Ilm-Park gewandert. Ein wunderbar weitläufiger Park und einfach wunderschön. Der Ausflug hat sich auf jeden Fall gelohnt.

Am zweiten Wochenende fuhren wir nach Nebra und haben uns dort die Arche angeguckt, wo Informationen zur Himmelsscheibe zusammengetragen sind. Das Museum selber war aber nicht wirklich gut. Nur Repliken, was noch nicht einmal vermerkt war, und die Informationen waren auch eher dürftig.
Nach dem Museum sind wir noch zum Aussichtsturm gewandert. Laut der Info in der Arche sollten es hin und zurück 3km sein. Pustekuchen. Eine Strecke war 3km. Wobei, ich bin mir sicher, dass es uns auch so gesagt wurde und es die anderen einfach nur falsch verstanden haben.
Nahe dem Aussichtsturm war auch die Fundstelle der Himmelsscheibe gekennzeichnet. Leider gab es dort aber auch keine weiteren Informationen und über der Fundstelle war nur eine Kuppel, durch die man nicht gucken konnte.
Später an dem Tag sind wir dann noch nach Goseck gefahren und haben das Sonnenobservatorium besichtig. Zum Abschluss ging es dann noch zum Weinfest nach Naumburg.

Den letzten Samstag bin ich mit einigen Leuten nach Halle gefahren. Dort waren wir im Museum für Ur- und Frühgeschichte. War aber auch eher so lala gewesen, was wohl aber auch daran gelegen haben mochte, dass man nicht fotografieren durfte und an jeder Ecke war Sicherheitspersonal. Das machte die ganze Atmosphäre ziemlich unbehaglich. Man traute sich auch nur noch im Flüsterton miteinander zu sprechen.
Nach dem Museum machten wir uns auf Essenssuche und fanden bald schon einen Italiener. Obwohl das Restaurant ziemlich leer war, dauerte es sehr lange bis wir unser Essen bekamen und es war jetzt auch nicht das Beste, aber in Ordnung.

Wieder am Ferienhaus angekommen, sind wir dann direkt rüber zu einer Kommilitonin, die ihren Geburtstag nachfeierte. Über das von uns aus Halle mitgebrachte Geschenk hat sie sich wahnsinnig gefreut. Es wurde gegrillt, geredet und als dann die Musik funktionierte auch getanzt.
Ich für meinen Teil hab mich um kurz vor eins dann verabschiedet, zum einen, weil ich Partys mit viel Alkohol nicht so gerne mag und zum anderen, weil ich mich am nächsten Tag noch mit einer Freundin aus der Gegend treffen wollte.

Der Sonntag war dann auch wunderbar. Erst waren wir im Schwimmbad und später haben wir uns dann im Kino Pixels angeguckt. Ein super Film. Wir waren fast nur am lachen.
Der Tag ging aber auch viel zu schnell vorbei.
Die letzte Woche begann dann damit, dass ich dem Schlämmteam zugeteilt wurde. Das Schlämmen fand direkt an der Saale statt. Dabei hat man zwei Siebe, die übereinandergestellt werden. Dort hinein wird dann der Aushub aus der Grabung geschüttet und mit einem Schlauch abgespritzt. Nachher hängen dann noch Steine sowie Silex und Knochen im Sieb. Die letzten beiden werden dann rausgesucht und in separate Fundtüten verpackt. So findet man dann auch noch teilweise wirklich kleine Reste, auch wenn es manchmal schwer ist Knochen und eine Art Sandstein voneinander zu unterscheiden, aber mit etwas Übung ist das auch kein Problem mehr.

Als Abschließenden Punkt möchte ich dann aber auch noch etwas Kritik äußern, die mir persönlich sehr wichtig ist. Die ganze Grabung läuft als ‚Lehrgrabung‘. Der Begriff sagt ganz deutlich aus, dass man auf so einer Art Grabung lernt, wie es richtig gemacht wird. Nur leider war es in diesem Fall so, dass wir Studenten uns alles selbst beibringen mussten beziehungsweise ein Junge und ich, die wir schon einmal dabei waren, Anleitungen geben mussten. Natürlich können wir nicht immer alles behalten oder so vermitteln, dass alle verstehen, wie es dann gemacht werden muss. Unser Dozent war leider die meiste Zeit auch nicht auf der Fläche gewesen. Als einzigen anderen Ansprechpartner gab es dann noch unseren Vermessungstechniker, der zwar auf seinem Gebiet alles wusste, aber sonst kein Archäologe war. Er hat dann immer so gut es ging zu helfen. Manchmal war das dann richtig, manchmal nicht.

Ich hätte mir also gewünscht, dass es mehr konkrete Anleitung gegeben hätte, wenigstens die ersten Tage, nachdem der Schnitt freigelegt wurde. Dadurch hätten manche Fehler vermieden werden können und möglicherweise wäre man auch schneller voran gekommen und wäre dem vom Dozenten gesteckten Ziel näher gekommen.

Wer sich jetzt gerne Bilder von der Grabung selber gewünscht hätte, so muss ich leider sagen, dass der Großteil der Grabung noch nicht publiziert wurde und frühzeitig hochgeladene Bilder möglicherweise falsch interpretiert werden und ein ganz anderes Bild ergeben, als sie eigentlich sollten. Aus diesem Grund dürfen keine Bilder der Grabungsfläche und der Funde veröffentlich werden.
Bilder aus Weimar, und vielleicht auch aus Nebra, werden in eigenen Einträgen noch folgen.

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